Kooperation als Zukunftsmodell der Architektur

Junge Architekturbüros gründen Kollektive, Genossenschaften sanieren ganze Quartiere, und im Juni 2026 hat der Berufsstand eine gemeinsame Genossenschaft gegründet. Was steckt dahinter – und wie verändern Kooperativen die Branche?
Kollektive sind kein Nischenphänomen mehr
Als das Architekturbüro Lacol für ihr Projekt La Borda in Barcelona 2022 mit dem Emerging Award des EUmies Award ausgezeichnet wurde, war das durchaus als Signal zu verstehen. Denn La Borda steht für eine Form des Planens und Bauens, bei der Architektur eng mit gemeinschaftlicher Selbstorganisation und neuen Formen der Projektentwicklung verbunden ist. Das selbstorganisierte Wohnprojekt basiert auf genossenschaftlichem Eigentum, gemeinschaftlich genutzten Räumen und einem langfristig nicht-spekulativen Wohnmodell. Lacol wiederum entstand 2009 aus einer Gruppe von Architekturstudierenden in Barcelona und arbeitet heute als Architekturkooperative.
Was damals als Experiment begann, ist heute eine ernstzunehmende Organisationsform, die auch Deutschland erreicht hat. So organisieren sich Architekturbüros kollektiv, etwa Kollektiv A (Berlin und München) oder CITYFÖRSTER (Hannover). In Hamburg hat die Gängeviertel Genossenschaft insgesamt 13 denkmalgeschützte Gebäude in der Innenstadt übernommen und saniert sie Schritt für Schritt, selbstorganisiert – in enger Kooperation von Stadt, Sanierungsträgerin und beauftragten Architekturbüros. Rund ein Drittel ist fertiggestellt, die UNESCO hat das Projekt als Ort der kulturellen Vielfalt ausgezeichnet.
Gute Gründe für Kollektive
Kooperative Modelle beruhen meist auf einem einfachen Prinzip: Verantwortung und Ressourcen werden geteilt, anstatt sie in starren Hierarchien und bei einzelnen Akteuren zu konzentrieren. Softwarelizenzen, Büroräume und Personal können gemeinschaftlich getragen und flexibel genutzt werden – insbesondere dann, wenn Projekte nach dem Floating-License-Prinzip organisiert sind.
Auch der Marktzugang kann sich dadurch verbessern. Für junge Büros erschweren fehlende Referenzen und begrenzte personelle Kapazitäten häufig die Teilnahme an größeren Verfahren. Im Verbund können sie zusätzliche Kompetenzen bündeln, Referenzanforderungen erfüllen und auch Projekte bearbeiten, die für ein einzelnes Büro nicht realisierbar wären.
Für Auftraggeber entsteht dadurch ein weiterer Vorteil: Mehrere fachliche Perspektiven lassen sich über einen zentralen Ansprechpartner koordinieren. Entscheidend ist dabei, dass die Zusammenarbeit nicht nur formal besteht, sondern in klaren Verantwortlichkeiten, abgestimmten Prozessen und einer transparenten Kommunikation verankert ist.
Neueste Entwicklung: Architekturkooperative ARKO
Mit der Architekturkooperative ARKO wurde im Juni 2026 eine Genossenschaft geschaffen, die als bundesweite Initiative angelegt ist. Vorbereitet hat die Gründung eine Arbeitsgruppe aus sechs Länderarchitektenkammern (Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen), unterstützt von der Bundesarchitektenkammer. Beigetreten sind 84 Gründungsmitglieder, dazu 13 investierende Mitglieder. Das Ziel: eine unabhängige, treuhänderische Dateninfrastruktur, die Urheberrechte schützt und gemeinsame Standards für digitales Planen und Bauen schafft – auf Basis einer europäischen Open-Source-Cloud-Infrastruktur mit offenen Schnittstellen und transparentem Rechtemanagement. Die Architektenkammer Niedersachsen trägt jetzt Verantwortung: Kammervizepräsident Christoph Schild wurde in den achtköpfigen Aufsichtsrat gewählt. Bis zum ersten Quartalswechsel 2027 sollen die organisatorischen und technischen Grundlagen weiterentwickelt werden. Geplant sind unter anderem strukturierte Projektdatenräume, anonymisierte Benchmarks aus realen Projekten und digitale Schnittstellen zu Behörden.
Warum uns der Ansatz überzeugt
Organisierte Kooperation ist kein Trend, den wir beobachten; sie ist das Kernprinzip unserer täglichen Arbeit. Als Generalplaner steuern wir bei SEYSTA ein eingespieltes Netzwerk aus langjährigen Spezialistinnen und Planungspartnern. Wir bündeln sämtliche Disziplinen bei einem zentralen Ansprechpartner, um Schnittstellenverluste konsequent zu vermeiden. Jens-Uwe Seyfarth ermutigt übrigens auch als Mentor für die Architektenkammer junge Büros auch dazu, diesen Weg zu gehen.
In unseren Projektteams greifen Planung und Ausführung nahtlos ineinander. So stellen wir sicher, dass fundiertes Wissen an den Übergängen der Leistungsphasen erhalten bleibt. Denn echte Kooperation ist gelebte Vernetzung: Wer Know-how teilt und Prozesse integriert denkt, bleibt im Dialog, sichert die Qualität im Wettbewerb – und übernimmt Verantwortung für die Baukultur von morgen.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag entstand unter Einsatz von KI-gestützten Recherche- und Textwerkzeugen. Die fachliche Ausarbeitung, inhaltliche Prüfung und finale Redaktion erfolgten durch SEYSTA Architekten und Stadtplaner.



