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Förderdschungel Holzbau: Was Bauherren im Norden jetzt wissen müssen

Aufstockung Quartier Hamburg


Beim Holzbau entscheidet das Bundesland über die Förderung — Hamburg zahlt je Kilogramm verbautem Holz, in Niedersachsen und Bremen gibt es dafür keinen Cent. Ein Überblick über die Förderlage in den Ländern.

Ein Quartier aus den 60ern, neu gedacht – in Holz

In Hamburg-Lohbrügge sanieren wir vier Zeilenbauten aus den 1960er Jahren energetisch und stocken sie gleichzeitig auf – in vorgefertigter Holzrahmenbauweise. So entstehen 24 neue Wohnungen mit 1.284 m² Wohnfläche, ohne dass ein zusätzlicher Quadratmeter Fläche versiegelt wird. Holz ist hier nicht Kür, sondern Voraussetzung: Es wiegt nur einen Bruchteil von Stahlbeton und lässt sich damit auf die vorhandene Statik setzen, der hohe Vorfertigungsgrad verkürzt die Bauzeit, und die Bewohner:innen bleiben während der Arbeiten im Quartier. Entwickelt haben wir das Konzept gemeinsam mit Stadtplanung, Bauordnung und der Hamburger Investitions- und Förderbank (IFB) – realisiert wird im energetischen Standard KfW/IFB 70.

Zum Video: Einblick in den Bauprozess (Vimeo)

Holz in der Nachverdichtung

Holz ist im Bestand häufig aus konstruktiven Gründen eine naheliegende Wahl. Bei Aufstockungen lässt sich ein leichter Holzaufbau oft auf vorhandene Statik und Gründung setzen, ohne teure Verstärkung. Die hohe Vorfertigung verkürzt die Bauzeit spürbar – ein doppelter Vorteil, wenn die Anwohner während der Arbeiten im Quartier wohnen bleiben. Und weil Holzwände bei gleichem Wärmeschutz schlanker sind, entsteht auf knappen innerstädtischen Grundstücken mehr Nutzfläche bei gleicher Kubatur.

Bei Projekten dieser Art steht früher oder später eine Frage der Bauherrenschaft im Raum: Was kostet mich der Holzbau, und was bekomme ich an Förderung zurück? Die ehrliche Antwort ist komplizierter, als ein Förderportal vermuten lässt. Denn ob es für genau dieses Gebäude Geld vom Land gibt, hängt vor allem davon ab, auf welcher Seite der Landesgrenze es steht.

Kein direkter Zuschuss auf Bundesebene

Mit der 2023 beschlossenen Holzbauinitiative, getragen vom Bundesbauministerium und dem Landwirtschaftsministerium, will die Bundesregierung die Holzbauquote bis 2030 spürbar erhöhen. Im Wohnungsneubau lag sie 2024 bundesweit bereits bei rund 24%.

Für die Budgetplanung ist allerdings ein Punkt entscheidend, der oft übersehen wird: Der Bund fördert Holz nicht direkt. Denn es gibt keinen pauschalen „Holz-Bonus“ auf dem Förderbescheid. Die großen Bundesprogramme wie der Klimafreundliche Neubau (KFN) oder die seit Dezember 2025 geöffnete Effizienzhaus-55-Stufe belohnen niedrige CO₂-Bilanzen und Energieeffizienz. Und Holz profitiert hier mittelbar, weil es Kohlenstoff bindet und die grauen Emissionen der Konstruktion senkt. Wer aber mit einem festen Holz-Zuschuss des Bundes rechnet, plant an der Realität vorbei.

Die Länder machen den Unterschied

Den eigentlichen Unterschied machen die Länder. Und hier zeigt sich ein Flickenteppich, der gerade im Norden auffällig ist – also genau dort, wo unsere Auftraggeber bauen.

  • Hamburg ist der Vorreiter. Die Investitions- und Förderbank (IFB) zahlt 90 Cent für jedes Kilogramm Holz, das in der Gebäudekonstruktion verbaut wird – ausdrücklich auch bei Aufstockungen und Anbauten, also genau dort, wo Nachverdichtung im Bestand stattfindet. Voraussetzung ist die Begleitung durch eine Qualitätssicherung Holzbau, deren Honorar zur Hälfte (bis 10.000 Euro je Gebäude) bezuschusst wird. Dazu kommt ein Zusatzdarlehen „Bauen mit Holz“ im geförderten Wohnungsbau.
  • Schleswig-Holstein geht einen anderen Weg. Ein eigenes Zuschussprogramm fürs Bauen mit Holz gibt es nicht, dafür eine starke Beratungsstruktur: das Holzbauzentrum*Nord und der gemeinsam mit Hamburg ausgelobte Holzbaupreis. Bemerkenswert für das waldärmste Bundesland – die Holzbauquote im Wohnungsneubau liegt hier inzwischen bei über 21%.
  • Niedersachsen fördert Holz ebenfalls nicht über einen eigenen Zuschuss. Es gibt den Holzbaupreis Niedersachsen und die Beratung über das 3N-Kompetenzzentrum, aber keinen Scheck fürs Material. Wer in Hannover statt in Hamburg baut, findet bei einem vergleichbaren Entwurf andere Förderbedingungen vor.
  • Bremen schließlich hat die niedrigste Holzbauquote bundesweit (rund 7%) und ein neues Wohnraumförderprogramm erst in Vorbereitung. Trotzdem steht hier mit dem „Bremer Punkt“ eines der bekanntesten seriellen Holz-Nachverdichtungsmodelle Deutschlands – ein Beleg dafür, dass gute Holzarchitektur nicht auf eine Landesförderung wartet.

Zum Vergleich ein Blick nach Süden:

  • Baden-Württemberg treibt mit seiner Holzbau-Offensive die bundesweit höchste Quote (rund 39%) voran.
  • Bayern dagegen zeigt die Kehrseite: Das großzügige Holzbauförderprogramm BayFHolz (500 Euro je Tonne gebundenem CO₂) läuft Ende 2026 aus, neue Anträge sind bereits nicht mehr möglich. Wer auf eine Landesförderung baut, baut also auch auf deren politische Halbwertszeit.

Fazit: Der stärkere Hebel ist das Baurecht

Eine Förderung ist selten entscheidend für die Wirtschaftlichkeit eines Holzbaus. Was den Ausschlag gibt, ist die Gesamtbetrachtung über den Lebenszyklus: geringeres Konstruktionsgewicht, das im Bestand teure Gründungen spart; hohe Vorfertigung, die Bauzeit und damit Finanzierungskosten senkt; schlankere Wände, die Nutzfläche schaffen. Hinzu kommt eine von vielen Nutzern geschätzte natürliche Raumwirkung. Wer wissen will, wohin sich der Holzbau bewegt, schaut deshalb weniger auf die Förder-, mehr auf die Regelwerke. Der entscheidende Hebel ist die Muster-Holzbaurichtlinie (Fassung September 2024, veröffentlicht im Mai 2025), die die Länder nach und nach in ihre Bauordnungen übernehmen. Sie erleichtert höhere Gebäudeklassen in Holz: Baden-Württemberg etwa lässt die Holztafelbauweise inzwischen bis zur Gebäudeklasse 5 zu. Das öffnet Holz für Bauaufgaben, bei denen es bisher am Brandschutznachweis scheiterte.

Wie wir Bauherren unterstützen

Als Architekten und Stadtplaner, die ökologische, ökonomische und soziale Aspekte immer im Gesamtkontext sehen, stehen wir Ihnen in allen Fragen zum Thema Holzbau als kompetenter Partner zur Seite. Auf die Fragen „Dürfen wir hier in Holz bauen – und rechnet es sich über die Nutzungsdauer?“ geben wir Ihnen eine belastbare Antwort, bevor der erste Strich gesetzt ist.

Außerdem profitieren Sie von unserer jahrelangen Erfahrung als Generalplaner, dank der wir die Förderkulisse, Brandschutz, Statik, Wirtschaftlichkeit und viele weitere Faktoren gebündelt betrachten. So vermeiden Sie Schnittstellenverluste – und die sind am Ende oft teurer, als jede Landesförderung einbringt.

Zum Weiterlesen:

  • Holzbauinitiative des Bundes
  • Handreichung Holzbauinitiative
  • Runder Tisch der Holzbauinitiative (11/2025)
  • Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen
  • VDZ / Hauptverband der Deutschen Holzindustrie
  • Holzbauinitiative Deutschland
  • Förderprogramm IFB Hamburg
  • Förderdatenbank des Bundes
  • Baugewerbeverband SH / Holzbauzentrum*Nord
  • Bauenmitholz.de / Holzbaupreis Schleswig-Holstein und Hamburg
  • Holzbaupreis Niedersachsen
  • 3N-Kompetenzzentrum / Holzbau in Niedersachsen
  • Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung Bremen
  • BauNetz Wissen: Bremer Punkt

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